Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH & Co. KG
Familienunternehmen mit Fokus im Markt für Autoersatzteile
Herth+Buss ist ein eigentümergeführtes Familienunternehmen in der dritten Generation und versteht sich als fokussierter Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im freien KFZ-Ersatzteilemarkt. Vor allem die Kompetenz für asiatische Fahrzeuge, deren Ersatzteile im „Jakoparts“-Programm geführt werden, unterscheidet Herth+Buss von seinen Wettbewerbern. In zwei weiteren Programmen, „Elparts“ und „Heavyparts“, vermarktet das Unternehmen autoelektrische Ersatzteile für PKW und LKW. Die Kunden sind in Deutschland und zunehmend auch im europäischen Ausland Industrie und v.a. Großhändler, die ihrerseits die Teile an freie Werkstätten weiterverkaufen. In diesem hart umkämpften Markt ist Herth+Buss als Premiumanbieter positioniert, der seinen Kunden mit Smart-Services einen Mehrwert bietet. Herth+Buss konnte im Jahr 2007 mit 165 Mitarbeitern einen Umsatz von 50 Millionen Euro erzielen.
Ständige Verbesserung als Credo
In seiner über achtzigjährigen Geschichte hat Herth+Buss zahlreiche Veränderungen erlebt. Früher als seine Wettbewerber identifizierte Herth+Buss in den 1980er Jahren den asiatischen Ersatzteilemarkt als Wachstumssegment und positionierte sich entsprechend. Mit der Ausgründung des Heavyparts- aus dem Elparts-Programm wurde auf eine sich ausdifferenzierende Nachfrage reagiert. Der Aufbau der Eigenmarken zielte auf Übersichtlichkeit und Kundenorientierung ab.
Innerhalb der drei Markenprogramme werden die Produktportfolios aus Ersatz- und Zubehörteilen kontinuierlich verbessert. Gleiches gilt für die zu Grunde liegenden Prozesse, deren Effizienzpotentiale sich vor allem nach der Einführung von SAP und Total Quality Management realisieren.
Auf der Basis optimierter Prozesse sieht Herth+Buss sich auch in der Lage, mehr produktbegleitende Dienstleistungen anzubieten. Dazu zählt die Beteiligung an elektronischen Katalogen und einer B2B-Plattform (TecDoc und TecCom) im KFZ-Ersatzteilemarkt ebenso wie Lagerempfehlungen und kurzfristige (Overnight-) Lieferbereitschaft.
In den kommenden Jahren werden primär europaweite Expansionsvorhaben das Gesicht des Unternehmens verändern. Auch plant Herth+Buss seine Sortimente um Ersatzteile für chinesische Automodelle zu erweitern, sobald diese einen signifikanten Marktanteil in Europa erreichen.
Langfristige Ziele und Vision
Im Hinblick auf Megatrends wie die Globalisierung des Handels, den Shift to Asia und Pervasive Computing hat sich Herth+Buss mit seinen Programmen frühzeitig positioniert. Steigender Güter- und LKW-Verkehr, die wachsenden Marktanteile asiatischer Auto-Modelle und die Zunahme von Elektronik im KFZ wirken sich positiv auf alle drei Geschäftsbereiche aus. Das Wachstum des freien Ersatzteilemarkts im Ganzen wird zudem begünstigt durch Individualisierungs- und Do-it-yourself- sowie Discount-Trends. Entsprechend ambitioniert hat das Unternehmen seine Wachstumsziele bis 2017 formuliert.
Ebenso langfristig ist die Vision, als familiengeführtes Unternehmen finanziell unabhängig zu agieren und sich durch Qualität und Servicedenken zu differenzieren. Mit internationaler Expansion, intelligenter Service- und Sortimentserweiterung, optimierten Prozessen, engagierten Mitarbeitern und ausgewählten Partnern möchte Herth+Buss diese Ziele erreichen.
Flexibilität als Erfolgsfaktor in einem dynamischen Markt
Vision und Strategie werden durch Maßnahmenpläne flankiert. Gleichwohl erhält sich das Unternehmen eine hohe Flexibilität, um in einem dynamischen Markt kurzfristig auf Chancen und Risiken reagieren zu können. Entsprechend sind Kommunikations- und Entscheidungswege bewusst kurz gehalten. Mit dem Wissen über Markt- und Umfeldentwicklungen kann Herth+Buss auf diese Weise externe Impulse zeitnah bewerten und umsetzen. Selbst so zentrale Entwicklungen wie der Fokus auf asiatische Fahrzeuge und die aktuelle Expansion in die französischsprachigen Märkte sind Resultat von Impulsen, die von außen an das Unternehmen heran getragen, positiv bewertet und umgesetzt worden sind.
Beteiligung und Transparenz bei Markt- und Umfeldbeobachtung
Das Zukunftsbild von Herth+Buss speist sich aus einer breiten Markt- und Umfeldbeobachtung, an der alle Mitarbeiter des Unternehmens beteiligt sind. Kunden und Lieferanten sind dabei die wichtigste Informationsquelle. Kunden- und Messebesuche dienen der Marktforschung. Im Kundenbeirat werden zentrale Entwicklungen in Markt und Umfeld mit den wichtigsten Kunden diskutiert. Zudem beobachtet das Unternehmen Entwicklungen beim „Endverbraucher“. Der eigens eingerichtete Werkstattaußendienst (WAD) besucht die freien Werkstätten, die Abnehmer der eigenen Großhandelskunden sind, informiert über neue Produkte und nimmt Trends und Bedürfnisse auf. Herth+Buss ist darüber hinaus Mitglied mehrerer Automobil- und Teilehandelsverbände. Dort erstellte Studien über Markt- und Umfeldentwicklungen werden hinsichtlich ihrer Relevanz für Herth+Buss systematisch analysiert. Gleiches gilt für Fachzeitschriften, die von verschiedenen Mitarbeitern ausgewertet werden. Kontakte zum Fraunhofer Institut und die Teilnahme an Kompass-Veranstaltungen dienen dazu, auch branchenfremde Entwicklungen wahrzunehmen.
Neben der breiten Beteiligung ist Transparenz ein Erfolgsfaktor der Umfeldbeobachtung bei Herth+Buss. Forderungen von Kunden und anderer Stakeholder sowie identifizierte Trends und Themen werden über das Mitarbeiterinformationssystem (Maia) allen Mitarbeitern zugänglich gemacht. Dort kann auch eingesehen werden, welche organisatorischen Prozesse eingeleitet werden, welche Ergebnisse und Verantwortlichkeiten vorliegen.
Vernetzung von Umfeldbeobachtung, Strategie, Umsetzung, Kontrolle
Das Tagesgeschäft von Herth+Buss hat einen eher einfachen Foresight-Bedarf. Aus den heutigen Erstzulassungsstatistiken lässt sich die Nachfrage nach Ersatzteilen in vier Jahren ableiten. Bei neuen Modellen genügt die Zeit, um alle Ersatzteile zu identifizieren und Verträge mit den zugehörigen Lieferanten abzuschließen.
Foresight dient in stärkerem Maße als Input für die Strategie und um diese abzusichern. Dementsprechend eng ist die Vernetzung von Foresight- und Strategieprozessen. Die Markt- und Umfeldinformationen fließen ein in die Qualitätszirkel und in das für die Strategie verantwortliche Marketing Board, die erweiterte Geschäftsführung. Dort werden Chancen und Risiken ebenso wie Stärken und Schwächen des Unternehmens und der einzelnen Produktgruppen bewertet und in einem auf fünf Jahre ausgelegten Strategieplan verdichtet, der wiederum jährlich überprüft und überarbeitet wird. Aus der strategischen Zielpositionierung leitet sich die Finanzplanung für die folgenden zwei bis drei Jahre ab, der Maßnahmenplan, die angestrebte Implementierung, Dokumentation und das Controlling (via Balanced Scorecard).
Die bereichsinternen und -übergreifenden Qualitätszirkel liefern nicht nur Input für die Strategie, sondern dienen auch als ihre Umsetzungsorgane. Die Zielvereinbarungen sind in der Maia jederzeit einsehbar ebenso wie die Umsetzungsfortschritte.
Risikomanagement mit alternativen Zukunftsbildern
In seinem wettbewerbsintensiven Umfeld ist eine strategische Handlungsfähigkeit für Herth+Buss sehr wichtig. Strategie und Umsetzung basieren daher auf einem spezifischen Zukunftsbild, das primär aus Expertenwissen, Verbandsinformationen und Marktstudien generiert wird. Die Absicherung dieser Vorgehensweise erfolgt durch ein zertifiziertes Risikomanagement, das Herth+Buss Anfang des Jahrtausends eingeführt hat, als der schwache Euro das Geschäft des Importeurs stark belastet hatte. Jeder verkaufte Ölfilter bedeutete für Herth+Buss einen Verlust von 20 Cent. Das daraufhin eingeführte Risikomanagementsystem erwägt alternative Zukünfte, deren Indikatoren mit Eintrittswahrscheinlichkeiten versehen sind. Für jedes Einzelrisiko und jeden Risikokomplex werden mögliche Auswirkungen auf das Unternehmen abgeschätzt und Reaktionsstrategien ausgearbeitet, über deren Einsatz das Marketing Board gegebenenfalls entscheidet. Die Indikatoren werden monatlich überprüft und in einem Risk Report an Marketing Board, Qualitätszirkel und Mitarbeiter kommuniziert.
Fazit
Herth+Buss ist mit seiner Mitarbeiter-, Kunden- und Prozessorientierung, Flexibilität und seinen Expansionsvorhaben ein typischer Mittelständler seiner Größe. Herausragend sind dagegen die hohe Beteiligung und Transparenz bei den Foresight-Aktivitäten sowie die enge Vernetzung mit Strategieprozessen. Bemerkenswert ist auch die Differenzierung in ein klares Zukunftsbild für die Strategie und alternative Zukunftsbilder im Risikomanagement.
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