KSB Aktiengesellschaft
Mittelständischer Anbieter von Pumpen, Armaturen und Systemen
Die KSB Aktiengesellschaft ist ein weltweit führender Hersteller von Pumpen, Armaturen und zugehörigen Systemen. Zudem hat das Unternehmen Services rund um diese Produkte in seinem Leistungsprogramm. KSB-Pumpen transportieren verschiedenste Flüssigkeiten, vom klaren Wasser bis hin zu feststoffbeladenen und zähen Flüssigkeiten. Zum Einsatz kommen sie in der Energiebranche, der Industrie-, Wasser- und Abwassertechnik, in Gebäuden oder im Bergbau und werden unter anderem in Kraftwerken, Wasserversorgungs- und Kläranlagen verwendet. Damit ist KSB breiter aufgestellt als ihre Wettbewerber, die sich stärker spezialisiert haben. Das Unternehmen kann auf über 135 Jahre Markterfahrung verweisen und ist in über 100 Ländern aktiv vertreten. Im Jahr 2006 beschäftigte es 13.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Trotz dieser Größe agiert KSB in der Tradition eines familien-orientierten mittelständischen Unternehmens; die Familie des Gründers bestimmt über die Klein Pumpen GmbH als Mehrheitsaktionärin den Kurs des Unternehmens. Im Hintergrund steht die gemeinnützige KSB-Stiftung, die sich der Förderung der Naturwissenschaften und dem wissenschaftlichen Nachwuchs widmet.
Umfassendes Zukunftsbild als Basis für Strategie und Innovation
In Zukunft will KSB das Engagement in Wachstumsmärkten wie Brasilien, China, Indien und Russland verstärken und durch internationalisierte Wertschöpfung regionale Standortvorteile nutzen.
Die Innovationsschwerpunkte in der Pumpen- und Armaturentechnik sind auf Lösungen zur Senkung der Lebenszykluskosten ausgerichtet. Dafür setzt das Unternehmen auf Energie sparende und verbesserte Antriebstechnik und Hydraulik sowie den Einsatz von Pumpen und Armaturen als Regelgeräte. Angestrebt wird zudem die Vermarktung kompletter Module mit ausfallsicheren Komponenten sowie kommunikationsfähigen Überwachungs- und Diagnosesystemen.
Diese Zukunftsstrategien basieren auf einem relativ umfassenden Zukunftsbild, auf das KSB auf Grund der Ausrichtung als Infrastrukturbereitsteller angewiesen ist. Demographischer Wandel, Globalisierung und damit einhergehend der Shift to Asia sowie die Ausbildung einer multipolaren Weltordnung sind wichtige Umfeldtrends, die das Zukunftsbild des Unternehmens prägen. Beobachtet wird auch eine weitere Informatisierung als Folge des Übergangs von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Gleichzeitig wird in den Life Sciences die neue Leitwissenschaft gesehen. Ein gestiegener Anspruch an Nachhaltigkeit forciert aus Sicht der KSB neue Energiesysteme. Dementsprechend sind Energieeffizienz und regionale Wasserknappheit wichtige Themen in der Entwicklung.
Foresight-Stelle und –Programm
Die systematische Auseinandersetzung mit Zukunft betreibt KSB seit dem Jahr 2000, als auf Anregung der KSB-Stiftung eine Stelle zur Technologie-Frühaufklärung geschaffen wurde. 2003 wurde die Funktion dann in das neu gestartete Wachstums- und Innovationsprogramm „700up“ integriert. Ziel ist, im Jahr 2010 700 Millionen Euro Mehrumsatz gegenüber 2003 zu erzielen. Hierzu wurden und werden bestehende Geschäfte intensiviert, Prozesse verbessert, neue Geschäftsmodelle und Innovationen entwickelt. Entsprechende Vorhaben finden als Intensivierungsprojekte innerhalb der Regelorganisation oder als Start-Up-Projekte in Inkubation statt. Drittes Element ist die Initiierung von Zukunftsgeschäften, eine Foresight-Funktion zur Absicherung der Projekte mit Zukunftswissen. Letztlich handelt es sich dabei um einen Ideenmanagementprozess, in dem Vorhaben mit der besten Erfolgsaussicht ausgewählt und die zur Verfügung stehenden Mittel gebündelt werden.
700up ist beim Leiter der Unternehmensentwicklung angesiedelt und umfasst ein Kernteam von etwa 20 Mitarbeitern. Diese arbeiten in einem loftähnlichen Büro in kreativer Umgebung, um künftige Entwicklungen und Innovationen vorauszudenken.
„Business Opportunity Scanning“ und systematische Projektarbeit
Innovationsprojekte durchlaufen einen systematischen Prozess, in dem zu Anfang die Business Opportunity identifiziert wird. Dafür werden Trends in Bezug auf Technologie- und Geschäftssystem, Nutzer, Regionen und Anwendungssegmente beobachtet. Aus Zukunftsbild oder Szenarien wird ein Ideenprofil für eine Innovation generiert und in Geschäftskonzept und -plan übersetzt. Es folgen Budgetierung und Produktentwicklung und schließlich die Markteinführung.
In den frühen Phasen wird über die Fortführung des Projekts auf dem regelmäßigen Jour Fixe entschieden, an dem Kernteam, Entwicklungsvorstand und Vorstandsvorsitzender bzw. -sprecher teilnehmen. In späteren Phasen fungiert ein Lenkungsausschuss, bestehend aus Gesamtvorstand, Service-, Marketing- und Vertriebsleiter sowie einem Vertreter aus Geschäftseinheit und Region und dem Leiter der Unternehmensentwicklung, als Gatekeeper.
Trendbuch für Zukunftsthemen
Die Mitarbeiter des Programms erarbeiten Zukunftswissen durch Business Opportunity Scanning und umfangreiche Umfeldanalysen auf Basis von persönlichen Interviews, Publikations-, Internet- und Netzwerk-Recherche. Dieses Wissen wird im KSB-Trendbuch aufbereitet und allen Mitarbeitern zu Verfügung gestellt.
Bereits in zweiter Edition erschienen, zeigt es eine Trendlandkarte mit allen für KSB relevanten Umfeldtrends in spezifischen Themen-Clustern. Jeder einzelne Trend wird mit Übersicht, Kennzahlen und Roadmap in einem Zukunftshorizont von 10 bis 15 Jahren detailliert beschrieben. Somit dient das Trendbuch als Orientierungshilfe, vor allem bei Entscheidungen, deren Auswirkungen bis weit in die Zukunft reichen.
Foresight als Strategie-Input
Die Unternehmensentwicklung nutzt das Trendbuch z.B. zur Strategieentwicklung und für Portfolioentscheidungen. Sie extrahiert daraus langfristige Szenarien und erarbeitet auf Basis von z.B. SWOT-Analysen Optionen zur Positionierung des Unternehmens in dieser Zukunft. Die Planungsprämissen und die Positionierung werden im jährlichen Planungsprozess überprüft und im Ergebnis die Budgets festgelegt. Ein ausführlicher Strategie-Review erfolgt zudem alle drei bis fünf Jahre.
Foresight-Weiterentwicklung
Auf Grund langer Planungshorizonte und hoher Dynamik im Maschinenbau-Sektor ist Foresight ein wichtiger Input für Strategie und neue KSB-Produkte. Trotzdem ist intern der Rechtfertigungsdruck hoch, zumal die Märkte einen Nachfrageboom erleben. Darum sind die Verantwortlichen bemüht, den Nutzen ihrer Arbeit transparent zu machen und ihre Prozesse ständig weiter zu entwickeln. Sie sind in der Foresight-Szene vernetzt, um ihre Arbeit fortlaufend zu verbessern. Eine Weiterentwicklung ist zudem der Transfer der Foresight-Abteilung von der Unternehmensentwicklung in die Konzernforschung im Laufe des Jahres 2008. Nachdem das Umsatzziel des Wachstums- und Innovationsprogramms bereits früher erreicht wird, geht es nun darum, das erarbeitete Wissen zu künftigen Entwicklungen und professionellem Projektmanagement weiter in die Organisation zu tragen.
Fazit
Globale Positionierung und systematische Prozesse sind sicherlich typisch für kon-zernähnliche Mittelständler. Hervorzuheben an KSB ist allerdings die Einrichtung eines konzernweiten Wachstums- und Innovationsprogramms. Dazu gehört eine Abteilung, die die systematische Verbindung von Foresight und Opportunity-Ma-nagement verantwortet sowie weiterentwickelt und ein Trendbuch publiziert, das Entscheidungs- und Orientierungswissen bündelt.
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